Arne Bunk - Eure Orte

Arne Bunk - Eure Orte

 

Montag, 14. Juli, 2014, 19.00 Uhr

Eure Orte, 2014. Still. Arne Bunk in Zusammenarbeit mit Tanja Bächlein

Arne Bunk in Zusammenarbeit mit Tanja Bächlein:
Eure Orte, 2014. Still

 

Gitte Bohr − Club für Kunst und politisches Denken präsentiert in einer Abendveranstaltung Arbeiten des Hamburger Künstlers und Filmemachers Arne Bunk:

Eure Orte. Skizzen zur deutschen Kolonialarchitektur in Namibia.
15min. 2014, Arne Bunk in Zusammenarbeit mit Tanja Bächlein.
Im Anschluss präsentiert Arne Bunk einen Essay über den Fotofilm "Der Tag eines unständigen Hafenarbeiters“ (1967) von Hubert Fichte und Leonore Mau:
Wir können ihn sehen, aber wir können ihn nicht haben!

Arne Bunk widmet sich in seiner neuen Arbeit intensiv dem Werk von Hubert Fichte, dem 1986 verstorbenen Hamburger Schriftsteller und Ethnographen. Fichtes filmisches und literarisches Werk, oft in Zusammenarbeit mit der Fotografin Leonore Mau produziert, hat eine eigenständige Position im Bereich der Ethnofiktion - ethnographische Filme, die fiktionale Elemente benutzen. Fichte selbst nannte seine Herangehensweise Ethnopoesie. Er übernahm die ethnographische Praktik der Teilnehmenden Beobachtung, lernte kreolische Dialekte und verstand von Haus aus Soziolekte auch im Heimischen, in der Palette, dem Treffpunkt der Gammler, beim Cruisen am Hauptbahnhof oder im Hamburger Hafen.

"Fichte und Mau haben in den 1960er und 1970er Jahren vier kurze Filme erstellt. Die Orte klar umrissen: der Hamburger Hafen, der portugiesische Fischmarkt von Sesimbra, die Spanische Treppe in Rom und Agadir nach dem Erdbeben von 1960. Sicht- und Sagbares werden hier zu einem mehrschichtigen, porösen Raum zwischen sinnlicher Erfahrung und politischer Bedeutung montiert."

Eure Orte. Skizzen zur deutschen Kolonialarchitektur in Namibia.

Arne Bunk und Tanja Bächlein zeigen eine Vorschau ihres bisher unveröffentlichten Films Eure Orte, in dem sie sich mit Deutschlands kolonialer Vergangenheit beschäftigen. Arne Bunk zeichnet zusammen mit der Photographin Tanja Bächlein in der Auseinandersetzung mit Fichte's Praxis ein eigenes Bild des postkolonialen Namibia, sammelt Stimmen verschiedener Milieus und untersucht Architekturen als Dispositive von Lebensformen und Politiken.

Bunks Film ist eine "Spurensuche und Erkundung des postkolonialen Raums in Namibia anhand von Gebäuden, die deutsche Siedler zwischen 1884 und 1915 gebaut haben. Dabei geht es auch um eine Auseinandersetzung mit autobiografischen Texten deutscher Siedlerinnen. Liest man die Erfahrungsberichte und Selbstzeugnisse, wird schnell eine spezifische Komplizenschaft in der kolonialen Praxis deutlich. Die Ruinen berichten von der Herausbildung einer deutschen Nationalität, der nicht nur eine Trennung nach »Rassen«, sondern auch eine Aufteilung der Geschlechter eingeschrieben ist."

Wir können ihn sehen, aber wir können ihn nicht haben! ist ein Essay über den Fotofilm Der Tag eines unständigen Hafenarbeiters (1967) von Hubert Fichte und Leonore Mau. "Man arbeitet, wenn man Geld braucht − wenn nicht, lässt man es umso lieber sein. Und kaum einer käme wohl auf den Gedanken, sich über diese − ob nun ständig wechselnden oder gleichförmigen, ob angenehmen oder grässlichen − Jobs so etwas wie Identität zusammen zu basteln." − Der ehemalige Hafenarbeiter Marc Rugenstein in: Palette revisited. Bandel/Hempel/Janßen, Hamburg (2005), S.39-40.

Arne Bunk ist bildender Künstler und Filmemacher. Er promoviert seit 2010 mit einem filmischen und einem schriftlichen Teil an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Er verbrachte Studienaufenthalte in Wien (Akademie der Künste) und Paris (Université Paris 8). Seine Filme sind auf internationalen Filmfestivals zu sehen.