How to Show? Lab for Research and Art #01

How to Show? Lab for Research and Art #01

Künstlerinnen: Ulrike Ettinger, Fred Meier-Menzel, Andrea Theis

In Zusammenarbeit mit der Europäischen Gesellschaft für Forschung und Kunst EGFK

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 20. Februar 2014, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 20. - 23. Februar 2014
Öffnungszeiten: Fr. - So., 16 – 20 Uhr
Die Künstlerinnen sind während der Öffnungszeiten anwesend
Finissage: Sonntag, 23. Februar, 18 Uhr

Veranstaltungen:

Freitag, 21. Februar, 18 Uhr
und Sonntag, 23. Februar, 17 Uhr:
Fred Meier-Menzel: Lesung und Vorstellung eines Lesehefts

Samstag, 22. Februar, 18 Uhr:
Dr. Amalia Barboza, Universität des Saarlandes:
Potentiale der künstlerischen Forschung,
Vortrag und Gespräch mit den Künstlerinnen
Mehr Information zur Veranstaltung

Gitte Bohr – Club für Kunst und politisches Denken präsentiert, in Zusammenarbeit mit der EGFK, eine Kooperation von drei Künstlerinnen, die Forschungsarbeiten im Rahmen von Promotionen an der Bauhaus-Universität Weimar und der University of Ulster in Belfast durchführen. Dieses Ausstellungsprojekt eint drei künstlerische Positionen, die auf verschiedenen Ebenen Verwandtschaften aufzeigen und sich in den Kontext einer künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung begeben haben. Dabei bearbeiten Ulrike Ettinger, Fred Meier-Menzel und Andrea Theis sich verschränkende Thematiken. Ihnen gemeinsam sind anthropologische Fragestellungen oder Methoden.

Andrea Theis

Installationsansichten. Andrea Theis.
Links: Sichten, Argumentieren, Transformieren, 2014. Foto: Ulrike Ettinger
Rechts: Reviewing Image Disturbance, 2011, Sieben Colorlaserfotografien. Foto: Andrea Theis

Andrea Theis’ künstlerisch-wissenschaftlicher Ansatz bezieht sich auf die autoethnographische Praxis, die sich von Ethnographie insofern absetzt, als dass gezielt subjektive Erfahrungen untersucht und ein Anspruch an Objektivität kritisch hinterfragt wird. Dass es trotzdem zu einem Erkenntnisgewinn kommen kann, haben bereits namhafte Anthropologen bewiesen. Andrea Theis versucht, dies im Bereich der sozialen Künste auszuloten und begegnet mit ihrem Ansatz der Frage nach der Verwertbarkeit von Erfahrungen aus partizipativer oder interventionistischer künstlerischer Praxis, auch für die qualitative Sozialforschung. Andrea Theis künstlerische Arbeit liefert hierfür eine anspruchsvolle performative Forschungsmethode in komplexen Versuchsanordnungen. Ihr Promotionsprojekt realisiert sie an der University of Ulster, Belfast.

Ulrike Ettinger

Installationsansichten. Ulrike Ettinger.
Links: Bekleidungsartefakte (Zeichnung und Siebdruck auf Leinen, ab 2013)
Rechts: Projektion links: "Kleine Etymologie der rumänischen Tracht (Formagiu 1974, 2014-02 #01)", rechts: Video-Projektion auf Kleidung. Fotos: Andrea Theis

Traditionelle vestimentäre Praktiken und Artefakte, präziser ihre Überschreibung in Konsumgüter und staatskonforme Folklore, sind der Untersuchungsgegenstand von Ulrike Ettingers Forschungsarbeit, die sie an der Bauhaus-Universität in Weimar durchführt. Unter Ceausescu wurde Volkskunst, sowohl auf wirtschaftlicher als auch auf ideologischer Ebene, in die staatspolitische Agenda eingebunden. In ideologischer Hinsicht wurde Volkskunst zum tragendem Bestandteil der neuen Rituale des Ceausescu-Regimes (Massenmanifestationen, Festivals). Dabei war das Ziel nichts weniger, als das Narrativ einer volkstümlichen Identität der realsozialistischen Staatsästhetik zugrunde zu legen. Die Hervorhebung der nationalen Identität mittels Volkskunst war eine Strategie unter anderen, eine Distanzierung von der Linie der KPdSU zu signalisieren. Vor diesem Hintergrund nimmt die aus Rumänien stammende Künstlerin am Beispiel folkloristischer Kleidung die Imagination als soziale Praxis ins Visier, welche für die Bildung kollektiver Identitäten konstitutiv ist.

Fred Meier-Menzel

Installationsansichten. Fred Meier-Menzel.
Links: "Mixed Messages", tent reading from PhD-chapbook 1/4 by Fred Meier-Menzel, 2014
Rechts: "Covered Up", tent reading from PhD-chapbook 1/4 by Fred Meier-Menzel, 2014. Fotos: Andrea Theis

Nach den jüngsten Veränderungen in Ägypten befragt Fred Meier-Menzel heteronome Repräsentationen und die Möglichkeiten autonomer Präsentationen von Frauen. An Beispielen aus Kunst, Modedesign, Politik und Gesellschaft führt sie eine praxisbasierte, künstlerische Forschung, ebenfalls an der Bauhaus-Universität, durch. Die Identität der ägyptischen Frau steht im Fokus dieses Projekts, welches aus einer mehrjährigen Beschäftigung als „Professor of Drawing“ in Ägypten erwuchs, wo sie auch Kurse für das figürliche Zeichnen gab. Die Schwierigkeit, Künstleranatomie trotz des Verbots von Nacktheit, bzw. von Aktdarstellung zu vermitteln, war hier ausschlaggebend für die Beschäftigung mit einer besonderen Darstellungsproblematik in Bezug auf das (öffentliche) Frauenbild. In einem aus eurozentristischer Sicht ungewöhnlichen Verhältnis zwischen bedecktem und unbedecktem Körper, scheint es mitunter schwierig, menschliche Darstellung mit dem Attribut der Identität zu belegen. Ausweisbilder in Wahhabiten-Tracht oder Wahlplakate mit einer verschleierten Kandidatin, aber auch Mode-Design stellen Herausforderungen für unsere Bildtradition, sowie für moderne Bildtechniken dar. So geraten Kontrolle und Verschleierungen teilweise in Paradoxien. Andererseits ergeben sich im Zeitalter sozialer Netzwerke und ihrer Bilderregime ungeahnte Möglichkeiten autonomer Selbstdarstellung, die sich Aktivistinnen zu Nutze machen.

 

Samstag, 22. Februar, 18 Uhr:
Dr. Amalia Barboza, Universität des Saarlandes:
Potentiale der künstlerischen Forschung,
Vortrag und Gespräch mit den Künstlerinnen

Wo liegen die Potentiale der künstlerischen Forschung? Und worin besteht der Unterschied zwischen künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung? Diese sind einige der Fragen, die in der letzten Zeit in Kunstakademien kursieren, seit dem für Künstler und Künstlerinnen die Möglichkeit besteht, über ihre künstlerischen und forschenden Herangehensweisen zu promovieren. Dass die Kunst zusammen mit der Wissenschaft an der Wissensproduktion beteiligt ist, scheint heute nicht mehr in Zweifel gezogen zu werden. Die Frage ist nun, wie viel Erkenntnisgewinn wird der künstlerischen Forschung zugerechnet? Und kann die Wissenschaft von der künstlerischen Forschung profitieren? Das sind einige der Fragen, die Amalia Barboza in einem Inputvortrag behandeln wird. Abschließend wird sie im Gespräch mit den Künstlerinnen der Ausstellung How to Show? Lab for Research and Art #01 über die Potentiale und die Gefahren der „künstlerischen Forschung“ diskutieren.

Amalia Barboza studierte Soziologie und bildende Kunst in Spanien (Madrid) und Deutschland (Konstanz und Dresden). 2002 promovierte sie im Fach Soziologie an der Technischen Universität Dresden mit einer Arbeit über die Wissenssoziologie Karl Mannheims und die Analyse von Kunst- und Denkstilen (Barboza, Kunst und Wissen, UVK Verlag, Konstanz 2005). Seit 2012 Juniorprofessorin für „Theorien und Methoden der Kulturwissenschaften“ an der Universität des Saarlandes. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist die Analyse von künstlerischen Methoden im Vergleich zu qualitativen wissenschaftlichen Methoden in den Kultur- und Sozialwissenschaften.