Bilderbuch Deutschland: der Kalte Krieg

Filmabend

Bilderbuch Deutschland: der Kalte Krieg

Versuch über eine westdeutsche Ästhetik

Donnerstag, 29. Januar, 2015, 19.00

Kalter Krieg Flyer

 

Wiederbewaffnung, Geheimdienste, Aufrüstung – nach dem großen Erfolg des ersten Teils unserer Serie über westdeutsche Ästhetik, geht es in der neuen Ausgabe um das Leben in der BRD im Schatten des kalten Krieges. Das Gesicht der jungen Republik war geprägt durch Wiederbesetzung staatlicher Ämter mit alten Nazis. Die neue politische Klasse der Bonner Republik rekrutierte sich teils aus belasteten oder gar schwer belasteten Altkadern. Auch die Geheimdienste konstituierten sich aus alten NS-Führungsspitzen.

Durch die geopolitische Lage Deutschlands im kalten Krieg wurde in der BRD an allen Fronten aufgerüstet. Die Geheimdienste wurden aufgestockt, ihre Kompetenzen erweitert. Die Bedrohung der inneren Sicherheit durch den Linksterrorismus gab, bis zur Sprengung des Celler Lochs, den Anlass dazu. BKA-Mann Horst Herold erfand die Rasterfahndung. Mit ihr wurde die BRD zum systematischen Kontrollstaat.

Fahndungsbilder mutmaßlicher Terroristen hingen in jedem Postamt und sorgten für Paranoia. Nicht unbedingt im Bereich des Sichtbaren lagen geheime Operationen auf bundesrepublikanischem Boden, die allerhand, teils grotesken, geheimdienstlichen Operationen dienten. Kommunikationen über Kurzwellen-Zahlensender waren für jeden hörbar. Ihre verschlüsselte Bedeutung nützten diplomatischen- und Geheimdiensten und dem Militär. Die geheimnisvollen Geräusche und Zahlencodes boten Anlass zu wilden Spekulationen. Hier sind sie Indiz dafür, dass auch die sich der Aufklärung (im doppelten Sinne des Wortes) verschriebene Republik nicht ohne Mysterien war.

Der technologische Fortschritt bahnte sich in den Wunderjahren seinen Weg. Neue Kommunikationstechnologien, das zweifelhafte Lob der Atomenergie und eine positivistische Technikbegeisterung begleiteten und formten die Ästhetik der jungen Bundesrepublik. Es ist jene Welt, die Kraftwerk besingt: Maschinell, Technokratisch, Kontrollistisch, Post-Human. Die zunehmende Entfremdung hierüber würde der Alternativen-Bewegung, auf dem Höhepunkt des nuklearen Patt, Auftrieb geben.

Die Wiederbewaffnung Westdeutschlands belebte alte Geister. In der Bevölkerung wurde sie kontroverser aufgenommen, als uns die offizielle Geschichtsschreibung mitunter glauben machen will. Mittelstreckenraketen und Westdeutschland als Austragungsort des transatlantischen Konflikts bewegten die Menschen auf der Suche nach pazifistischen und ökologischen neuen Lebensformen. Eine Auswanderungswelle und neue Bürgerbewegungen erlebte die BRD in den 80ern. Die Menschen wollten Sonne statt Reagan.

Gitte Bohr wagt einen weiteren Versuch, die vergangene BRD an den Rändern und Schatten zu fassen, und sich einer bundesrepublikanischen Ästhetik anzunähern. Mit einer kommentierten Auswahl von wenig bekannten Filmen oder Filmausschnitten, Kunstvideos und Musikclips. Am 29.1. um 19 Uhr im "West Germany". Wo sonst?