Max Müller: Es gibt keine Dummheit mehr

Max Müller:
Es gibt keine Dummheit mehr

 

Max Müller: Es gibt keine Dummheit mehr

 

Eröffnung

Samstag 11. Juli 19.00 Uhr

Öffnungszeiten

Sonntag 12.7. bis Mittwoch 15.7., 14.00 – 18.00 Uhr

 

Gitte Bohr − Club für Kunst und politisches Denken
C/O WestGermany
Skalitzer Straße 133, 2. Stock (Eingang neben Effendi Optik)
U1 & U8: Kottbusser Tor

Macht, Liebe, Schönheit, Krieg, Sex. Leiden und Leidenschaft. Große Themen beherrschen die realistische Bildsprache von Max Müller. Mit Bleistift, Buntstift, Filzstift zeichnet er mal auf Karton, mal auf Schmierzettel oder malt ganz klassisch mit Acryl auf Leinwand, auf unterschiedlichen Trägern aber immer mit konstanter Intensität; hier verspielt, dort düster und schwer. Mit kraftvollem Strich setzt Müller ohne optische Hilfsmittel (in diesem Genre keine Besonderheit) um, was sein Auge in den Fokus nimmt. Dies tut er mit der selben Diagnostik, die auch aus dem Realismus seiner Songtexte spricht. Unverblümt und direkt bringt er als Texter und Sänger der Band Mutter seine Beobachtungen zu Papier. Ebenso als Maler und Zeichner. Besonders ist, dass die Bilderwelt, auf die er sich Naturstudien gleich bezieht, aus dem Bereich des Zweidimensionalen kommen. Dabei ist es ihm völlig gleich, ob seine Bilder der Realität in hohem Maße entsprechen. Verzerrungen, Doppelbilder, Übermalung, Korrekturen sind vielleicht nicht immer beabsichtigt, werden aber immer absichtlich stehen gelassen. Abweichungen, Verzerrungen, Fehler bestimmen das Bild mit.

Max Müller

 

Müller bezieht sich auf Bilderkategorien, die stets eine Verbindung zu den bestehenden Bilderregimes aufbauen: Immer mediatisiert, sind seine Motive in irgendeiner Form Bestandteil der Öffentlichkeit. Teilweise abgeschmackt und tausendfach reproduziert, ringt Müller noch jedem Bild Atmosphäre ab und reanimiert jedes noch so tote Image. Die Stärke seiner Malweise entspricht dabei der Intensität seines Blicks. Bekannt aus Film und Fernsehen, könnte man den Bildern beifügen. Bilder, zu denen jeder eine Meinung hat. Kriegsbilder, von Natur aus im Konflikt mit ihrem Realitätsgehalt, geraten zu schönen Landschaftsansichten und Seestücken, gespeist aus einem sich selbst entwertenden Doku-Universum. Filmstars des Hollywood von Gestern; sie sind Ikonen, sie sind Masken, aber sind sie auch Menschen? Oder nur Projektionsflächen für Schönheit, Glamour und große Gefühle -je unnahbarer, je ferner, desto besser? Auf einmal stellt sich eine unangenehme Nähe ein, wenn die Stars der alten UfA aus der Nazi-Ära auftauchen oder unsympathische Typen des aktuellen Establishments. Mit Maschmeyer und Ferres greift die totale Profanität des Gegenwärtigen an. Wo die Frauenbilder, egal ob Hollywood oder Porno, an die Einsamkeit des Betrachters gemahnen, scheint das Bildermachen geradezu zu einer Waffe zu werden, wenn es darum geht, den Angriff des Banalen abzuwehren. Helmut Schmidt, der Mann mit der Lizenz zum Rauchen, zigmal in verschiedenen Posen abgebildet, verweist auf jenes Bilderregime, das die öffentliche Meinung beherrscht. Auch hier wieder die Frage, wie nah die Bilder sind, die sich nun in ihr Gegenteil verkehrt: Wo dort das unerreichbar Ferne in intimste Nähe vorrückt, entrückt sich das Allgegenwärtige in die Fremde, als wolle einem einfallen, dass das Jenseits dort an Konjunktur gewinne, wo der Glaube an das Diesseits zerfalle.

Max Müller

 

Max Müller würde 1962 in Wolfsburg geboren und spielte in verschiedenen Punkbands (Honkas, Camping Sex). Als Kopf der 1986 gegründeten, einflussreichen Rockband Mutter ist er eine feste Größe. Als Solokünstler, aber auch mit Arbeiten für Film und Theater, sowie als Autor ist Müller ein vielseitiger Künstler. Gitte Bohr freut sich, nun mit einer Einzelausstellung einen Einblick in Müllers Schaffen als bildender Künstler präsentieren zu können, welches er auch kürzlich mit den Illustrationen zu Tex Rubinowitz neuem Buch "Irma" der Öffentlichkeit vorstellte.