Ich gab mir Mühe, damit ich nicht an Unlust früh verglühe

Ich gab mir Mühe, damit ich nicht an Unlust früh verglühe

 

Künstler: Julien Prévieux (F), Tilo Steireif (CH), Laura von Niederhäusern (CH), Eva May (DK)

Eröffnung am Freitag 5. Juni 19.00 Uhr

Präsentation der Künstlerpublikation À propos Das Stellengesuch, erste Ausgabe, 1914/2015 von Laura von Niederhäusern und Eva May, herausgegeben von Les Éditions d´Uqbar, Genf, and Gitte Bohr, mit einer Lesung von Texten von Robert Walser.

Öffnungszeiten

Samstag 6.6. und Sonntag 7.6., 16.00 – 20.00 Uhr

Poster aus der Künstlerpublikation "À propos". Gestaltet von Laura von Niederhäusern

Poster aus der Künstlerpublikation
"À propos". Gestaltet von Laura
von Niederhäusern

Tilo Steireif, Aquarell aus der Serie "Der Räuber"

Tilo Steireif, Aquarell aus der
Serie "Der Räuber"

 

Gitte Bohr − Club für Kunst und politisches Denken
C/O WestGermany
Skalitzer Straße 133, 2. Stock (Eingang neben Effendi Optik)
U1 & U8: Kottbusser Tor

Der Titel der Ausstellung ist einem Gedicht des Schweizer Schriftsteller Robert Walser (1878-1956) entnommen, dessen Schriften die Inspiration für diese Ausstellung waren. Auf die für Walser so typische Weise werden hier die Begriffe Mühe und Unlust verbunden. Gemäß der Psychoanalyse heißt letzteres: "der innere Schmerz, Unbehagen oder Angst, die aus der Blockierung eines instinktiven Impuls vom Ego resultiert und die das Gegenteil von Genuss ist". (Oxford English Dictionary). Die Zeile präsentiert den paradoxalen Gedanken, dass man hart arbeiten sollte, um Unlust zu vermeiden oder etwas wie Genuss zu erreichen. Ein Zustand welcher meistens eher mit der Abwesenheit von Mühe assoziiert wird.

Diese Sujets von Arbeit, Genuss und Subjektivierung zwischen Heteronomie und Selbstbestimmung sind in Robert Walsers Schriften – in ihrer Form sowohl als auch in ihren Inhalten – zentral. Die Ausstellung greift diese Problematiken in einem zeitgenössischen Kontext auf und behandelt Themen wie etwa den Unwillen, das eigene Selbst den Forderungen der heutigen Gesellschaft nach Effizienz und positiver Selbstdarstellung zu unterwerfen, oder die Suche nach einer Subjektposition, die nicht unter solchen Zwängen subsumiert wird.

Ich gab mir Mühe, damit ich nicht an Unlust früh verglühe

Julien Prévieux: Lettres de non-motivation

 

Der französische Künstler Julien Prévieux zeigt eine Auswahl aus seiner Reihe "Lettres de non-motivation" (Nicht-Bewerbungsbriefe). Auf Stellenanzeigen antwortend, listet er seine Gründe auf, die angebotene Anstellung nicht zu wünschen, kritisiert die Rhetorik der Jobanzeige, oder drückt einen Widerwillen aus, sich nach den Formen des Bewerbungsbriefes und den Mechanismen und Strukturen zu richten, welche die Arbeitswelt impliziert.

Ich gab mir Mühe, damit ich nicht an Unlust früh verglühe

Tilo Steireif: Serie von Aquarellen und Zeichnungen zum Roman Der Räuber

 

Der schweizerische Künstler Tilo Steireif zeigt eine Auswahl aus einer Reihe von Aquarellen sowie Filzstift- und Kohlezeichnungen, die sich auf Robert Walsers Roman "Der Räuber" beziehen. Die Werke folgen dem Roman, nehmen Zitate und Szenen auf und interpretieren sie und beschäftigen sich dabei mit seiner fragmentierten und idiosynkratrischen Form. In seinem Buch nutzt Walser formale und inhaltliche Brüche, wie auch abrupte Wechsel des Blickwinkels und der narrativen Struktur, um die Effizienz und Kohärenz des bürgerlichen Diskurses und seine Subjektivität zu entgrenzen. Der Roman thematisiert auch das Schreiben an sich und bringt die Trennung zwischen Erzähler, Autor und Protagonist ins Wanken, verschränkt sie oder bringt sie in ein konfliktuelles Verhältnis.

Ich gab mir Mühe, damit ich nicht an Unlust früh verglühe

Laura von Niederhäusern: Rondo

 

Laura von Niederhäusern, ebenfalls aus der Schweiz, zeigt ihre dreiteilige Videoinstallation "Rondo" von 2012. Durch die Verknüpfung von filmischen Fragmenten behandelt das Werk die Prozesse der Subjektbildung auf verschiedenen Stufen unseres gesellschaftlichen Lebens und bezieht sie dabei implizit oder explizit auf die Welt der Arbeit und Angestelltenverhältnisse: Kinder spielen Reise nach Jerusalem zu Hanns Eislers Rondo aus "Kuhle Wampe," (ein Film über Arbeitslosigkeit in der Weimarer Republik). In einem leeren Theater interpretiert ein Schauspieler Auszüge aus Robert Walsers erstem Roman "Jakob von Gunten," dessen gleichnamiger Protagonist ein paradoxales Lob der Unterwerfung in eine ironische Untergrabung der Subjektivierung des Dieners verwandelt. Eine Gruppe von Jugendlichen lungert in einem verfallenen Amphitheater herum: Eine Ikone der sorglosen Entspannung, ...oder doch nicht?

Zu diesem Anlass werden wir auch die erste Ausgabe der Künstlerpublikation À propos von Eva May und Laura von Niederhäusernpräsentieren. Sie kombiniert Text und Bild in einer Hommage an Robert Walsers Kurzprosatext "The Application Letter" (1914) und wird herausgegeben von Les Éditions d´Uqbar, Geneva, und Gitte Bohr. Die Publikation beinhaltet ein Essay über Walsers Text von Eva May und ein Plakat, gestaltet von Laura von Niederhäusern.