Oberfläche und Oberflächlichkeit I: Die Rache des Luigi Colani

Oberfläche und Oberflächlichkeit

Donnerstag 8. März um 20 Uhr

In unseren neuen Räumlichkeiten:
c/o West Germany
Skalitzer Str. 133
Berlin-Kreuzberg

Ober fläche und Oberflächlichkeit Flyer

 

Was hat Gore-Tex mit der Inpermeabilität sozialer Strukturen in Zeiten der Flexibilität zu tun?
Oberflächlichkeit scheint sich zum Schlüsselbegriff für weitreichende Entwicklungen unserer spätkapitalistischen Gesellschaft zu entwickeln. Mangelnde Nachhaltigkeit, artifizielle Obsoleszenz von industriellen Produkten (Sollbruchstelle), mangelnde Handwerklichkeit und beschleunigter Konsum sind heutzutage Zustände, die nicht nur ökologische Probleme mit sich führen. Arbeitsethos und Produktionsmodi des Spätkapitalismus haben weit reichenden Einfluss auf unser Sozialleben. Einer Idee Richard Sennetts folgend, soll hier die graduelle Entfremdung untersucht werden, die gleichsam die kurzlebigen Beziehung zwischen Menschen oder Dingen betrifft.

Die Rache des Luigi Colani

Die Rache des Luigi Colani

Wie verhält sich der Begriff der Oberflächlichkeit zu Neuerungen in der Oberflächengestaltung? Auf welche Weise wird an der Membran zwischen Objekt und Benutzer Oberflächlichkeit sichtbar, insbesondere wenn diese, sei es Stahl und Glass Architektur, ein Touchscreen oder eine Sitzbank in einem McDonalds Restaurant, den Benutzer abweisen? Wie verändert sich der Freundschaftsbegriff durch Facebook? Welche Auswirkungen haben beschleunigte und flexibilisierte Produktionsprozese, Konsumzyklen und Arbeit auf unsere Sozialbeziehungen und Familienleben? Welche Konsequenzen hat die zunehmende Standardisierung der Just-in-time Produktion auf künstlerische Karrieren und für die künstlerische Arbeit? Was passiert wenn Oberflächlichkeit zu einer Waffe wird, welche die Menschen der Möglichkeit zu tiefgründigen und intensiven Erfahrungen beraubt und sie so entmachtet?

Gitte Bohr startet den eigenen Neubeginn in den neuen Räumlichkeiten im West Germany in Kreuzberg mit der ersten Veranstaltung zu einer Serie von Vorträgen, Diskussionen, Performances, Videoscreenings, Kunstpräsentationen zum Thema mit Beiträgen von Kritikern, Designern, Künstler, Musiker, Aktivisten und Weiteren.

Die erste Veranstaltung findet am 8. März um 20 Uhr statt. In Zusammenarbeit mit Fred Dewey (USA, Autor und Aktivist) und Megan Steinman (USA, Kuratorin und Autorin) wird Gitte Bohr Sophia Coppolas Film Marie Antoinette (2006) dekonstruieren, abschweifen und diskutieren. Zentrale Frage ist, in welcher Hinsicht dieser Streifen, in dem es um die vor 223 Jahren enthauptete französische Königin geht eine perfekte Illustration zeitgenössischer Oberflächlichkeit? Was sagt er über die Gesellschaft aus in der Sophia Coppola lebt? Und: Wie tief sind wir schon in Oberflächlichkeit versunken?

Diego Castro, Fred Dewey, Eva May