Gitte Bohr, Club für Kunst und politisches Denken. Gegründet 2010 von Eva May und Diego Castro in Neukölln. Heute befinden wir uns als Dauergäste im WestGermany am Kottbusser Tor. Das Programm von Gitte Bohr, bestehend aus Ausstellungen, Vorträgen, Diskussionen, Screenings und mehr, konzentriert sich auf aktuelle politische und soziale Fragen im Spiegel der Kunst. Getragen von der Überzeugung, den Antagonismus zwischen Avantgarde und bürgerlicher Konsensgesellschaft aktualisieren zu müssen, fragen wir heute wie Politik mit Kunst gedacht werden kann und wie Kunst politisch gedacht werden kann. Aus der Aufrechterhaltung dieser Konfliktfelder, erhoffen wir uns, in der Begegnung mit Kunst und Kunstschaffenden, Momente fundamentaler Demokratie zu erzeugen.

Wir arbeiten oft mit Themen, die über die Bezugsfelder des Kunstbetriebs hinaus weisen und Fragen behandeln, die eben nicht nur für die Kunst und die ästhetische Erfahrung relevant sind. Gleichermaßen überlegen wir, inwiefern Ästhetik und Alltagserleben sich überschneiden.

Die Veranstaltungen sind als Serien angelegt. Neben Ausstellungen und Diskussionsveranstaltungen ist auch die eigene Recherche zu solchen Themenbereichen ein Bestandteil unserer Arbeit. Im Zusammenwirken mit Künstlern, Theoretikern, Aktivisten und Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen versuchen wir, gleichberechtigte Dialoge den institutionellen Diskursstandards gegenüber zu stellen. So hoffen wir, vom bloßen Rezipieren zum Austausch anregen zu können.

In der Vergangenheit haben wir uns stark mit dem öffentlichen Raum und seiner Ausgestaltung beschäftigt, wie öffentliche Räume und ihre Benutzeroberflächen sich radikal wandeln und Träger von Ideologie werden. Die Reihe Oberfläche und Oberflächlichkeit untersucht das konfliktreiche Verhältnis zwischen Benutzern und Oberflächen und fragt nach der Gewalt durch Gestaltung. Die Serie wird fortgesetzt. Ein anderes Thema war Bildpolitik, in dem wir uns mit der Instrumentalität von Bildern nach dem Visual Turn befassten, wie auch heute der Krieg und seine Propaganda die Medien beherrschen und wie diese selbst zum Kriegsschauplatz werden. Eine weitere Frage war, wie man anhand einzelner Werke dem Diskurs der Kunstschaffenden näher kommen kann, im Gegensatz zu Werkonstellationen, die in der Regel eher kuratorische Konzepte darstellen sollen. Daraus entstand die Serie 1 work/ 1 room/ 1 night/, in der wir Künstlerinnen und Künstler baten, dem Publikum jeweils ein einzelnes Werk vorzustellen.

Aktuell widmen wir uns der deutschen politischen Landschaft, unmittelbar vor den Wahlen. Die Wiederwahl von Angela Merkel ist für uns Anlass nach über 30 Jahren Neoliberalismus Bilanz zu ziehen und die neuerlichen post-demokratischen Verhältnisse der Kritik auszusetzen.

Diego Castro & Eva May, Oktober 2013

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